Das Internet und die Gestrigen der Deutschen Bahn
Der gestrige Dienstag war ein kleiner Meilenstein in der Geschichte des Internets in Deutschland. Auch, wenn ich Begriffe wie “Web 2.0″ eher nicht mag - die Abmahnung des bekannten Webblogs netzpolitik.org durch die Deutsche Bahn AG war eine Lehrstunde in Sachen interaktiver Kommunikation.
Gegen 15:00 schrieb Markus Beckedahl in seinem Blog von der Abmahnung, die er per E-Mail von den Juristen der Bahn erhalten hatte – binnen kurzer Zeit war das Thema dank Blog-Vernetzung und Twitter in aller Munde. Zunächst natürlich in den Online-Medien, später dann griffen auch Print-Medien das Thema auf. Selbst bei Focus Online musst gegen 21:00 Uhr ein Redakteur nochmals den Computer anwerfen, um über die “Story” zu berichten.
Bis Mitternacht waren zu dem Blogbeitrag rund 240 Kommentare eingegangen, die überwiegend ein positives Feedback für die Entscheidung von Markus Beckedahl, den Volltext zur Rasterfahndung der Deutschen Bahn zu veröffentlichen, widerspiegelten. Am Abend fasste Markus Beckedahl die “Welle nach der Abmahnung” zusammen – auch hier finden sich bereits wieder knapp 70 Kommentare.
Um die Abmahnung und deren Begründung besser bewerten zu können, an dieser Stelle ein kompetenter Blogbeitrag von RA Thomas Stadler, der sich des Themas aus juristischer Sicht angenommen hat.
Der aktuelle Stand ist der, dass Markus Beckedahl die Unterlassungserklärung der Abmahnung nicht unterschreiben und den o.g. Text nicht entfernen wird. Die Bahn wird sich nun – auch in Anbetracht ihres bereits enstandenen Imagesschadens der jüngsten Vergangenheit – überlegen müssen, wie sie mit dieser neuerlichen Entgleisung umgeht. Der Klageweg wäre aus meiner Sicht die Weichenstellung auf das Abstellgleis, um die bildhafte Sprache der Eisenbahner zu bemühen.
Wie ich eingangs schon andeutete hat der geschilderte Fall auch sein positives: Er hat auf eindrucksvolle Weise aufgezeigt, dass dank Twitter & Blogs die Kommunikation auch unanhängig von den öffentlichen Medien funktioniert, dass der Meinungs- und Informationsaustausch nicht mehr kontrolliert unterbunden werden kann. Die Gestern zu verspürende Solidarität mit netzpolitik.org lässt hoffen, das die Meinungsfreiheit auch und gerade in Zukunft gegeben ist – über spontane Sympatiekundgebungen hinaus. “Wir sind ein Volk” gilt sinngemäß eben auch für Internet-Aktivisten, die keine Lobby hinter sich haben.
Für mich persönlich besteht das Fazit darin, dass es richtig war, mich mit Twitter als “Microblogging”-Lösung auseinander zu setzen und dies auch zu nutzen. Als Ergänzung zu meinen Blogs und nicht als Ersatz dieser.
Wer mag, kann hier an einer kleinen Umfrage zu Twitter teilnehmen.
Update: Die DB hat ihre Forderungen gegenüber dem Blogger fallen gelassen.
Twitter – wer oder was ist das?
Twitter jetzt im Detail zu beschreiben hieße, das Fahrrad zum zweiten Mal zu erfinden. Es gibt bereits jede Menge Erklärungen bzw. Erklärungsversuche im Internet, die das Thema Twitter zum Inhalt haben. Ich möchte deshalb hier interessante Links sammlen, die ich beim Surfen im Web dazu finde.
Deshalb an dieser Stelle nur in Kurzform: Twittern ist Bloggen in Kurzform (maximal 140 Zeichen) und wird deshalb auch “Microblogging” genannt. Ich selbst habe zwei Accounts bei Twitter: Unter https://twitter.com/stuelpner findet meine Kommunikation statt, unter https://twitter.com/digitalpilot findet sich ein Extrakt daraus – befreit von allem kommunikativen Rauschen. Das bedeutet: Aktuelle, kurze Informationen und interessante Link zu den Themen Internet & Fotografie.
Was tun, wenn man diese Informationen in einer Übersicht lesen möchte? Neben der einfachen Möglichkeit, meine Startseite http://digitalpilot.de zu bookmarken (als Lesezeichen zu speichern), kann man sich einfach bei Twitter anmelden, um dann einen Account einzurichten. Sinnvoll, aber nicht Bedingung ist es, wenn “Full name” und “Username” identisch sind. Ein Passwort und eine gültige Mailadresse – und schon ist der Account erstellt. Dann nochmals auf https://twitter.com/digitalpilot klicken und auf den Button “Follow” und schon werden alle o.g. Postings (Tweets genannt) gespeichert. Da auch die Medien inzwischen kräftig zwitschern… ähm… twittern, kann man sich ein Informationsprofil nach eigenem Geschmack einrichten. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Übersicht über interessante Adressen nachreichen.
Soweit mein kleiner Crash-Kurs zum Thema Twitter, weiterreichende und detaillierte Informationen liefern die Suchmaschinen…
Umfrage zu Twitter
Bereits im Januar habe ich die Umfrage unter Internet-Aktivisten gestartet, jetzt möchte ich diese unter allen Web-Usern fortführen. Der mögliche Vergleich (mit dem Monat Januar) wird zeigen, ob und inwieweit die Mehrheit der Internet-Nutzer eine andere Meinung hat.
Ich freue mich daher über eine aktive Teilnahme an dieser kleinen Umfrage. Missionarisch ambitionierte Mehrfachteilnahmen kann und will ich nicht ausschließen – es wäre jedoch schade, wenn dadurch das Ergebnis verfälscht würde.
